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Die oft vergebliche Suche nach einem Au-Pair aus England, den USA oder Australien

Warum gibt es in Deutschland so wenige Au-Pairs aus Europa bzw. aus englischsprachigen Ländern?

Diese Frage wird oft, vor allem von neuen Gastfamilien, gestellt. Einen der wichtigsten Gründe dafür möchte ich gleich zu Beginn nennen: es gibt in diesen Ländern einfach nicht so sehr viele Deutsch-Lerner! Die allermeisten jungen Menschen, die innerhalb Europas einen Au-Pair-Aufenthalt planen, ziehen als Zielland definitiv ein englisch-sprachiges Land, also England, Irland und Schottland vor. Es ist für die große Mehrheit einfach von deutlich höherem Nutzen, die englische Sprache wirklich gut zu beherrschen. Was Au-Pairs aus Übersee betrifft, so zieht es sie, sofern sie nach Europa kommen möchten, eher in südeuropäische Länder: Spanien, Italien oder Frankreich liegen da deutlich höher im Kurs – das Wetter ist dort schöner, das Leben ist einfach bunter als hierzulande und es gibt auch dort Kulturschätze in Hülle und Fülle zu bestaunen.

Sind diese Au-Pairs tatsächlich so einfach in Internet-Portalen zu finden?

Natürlich gibt es immer wieder junge Leute aus Europa, die als Au-Pair nach Deutschland kommen möchten. Vor allem im Sommer, während der Semesterferien, sind es recht viele – die meisten von ihnen wollen aber nur für zwei bis drei Monate kommen, manchmal auch für ein halbes Jahr. Man findet beispielsweise ein Au-Pair aus England auch häufig in den sog. kostenlosen Internetportalen, aber auch dort ist es eher schwierig jemanden für ein Jahr zu gewinnen. Abgesehen davon, tummeln sich hier natürlich auch viele Interessentinnen, die den Aufwand, sich mit allen erforderlichen Unterlagen bei einer Agentur zu bewerben (was gerade innerhalb Europas ebenfalls fast oder ganz umsonst zu haben ist), nicht betreiben wollen. Sei es, weil sie z.B. nicht über die erforderlichen Kinderbetreuungsreferenzen verfügen, oder auch weil die sprachlichen Voraussetzungen fehlen. Viele gehen auch davon aus, dass sie „ihre Traumfamilie" (wohnt in der Stadtmitte, hat 1 Kind, das möglichst eine Ganztagsschule besucht) besser auf eigene Faust finden und an dieser Stelle Angebote besser vergleichen können. Wir hören oft von Gastfamilien, die versucht haben, über solche Portale ein Au-Pair zu finden, dass vor allem sehr kurzfristige Absagen, oder einfach das Nicht-Erscheinen der Bewerber/innen, hier ebenfalls an der Tagesordnung sind. Nicht weiter eingehen möchte ich an dieser Stelle auf Fälle von echtem Betrug, die ich in den letzten Jahren, auch durch meine Tätigkeit für den Deutschen Bundesverband der Au-Pair-Vermittler, miterleben musste – das ist ein Thema für sich, gerne können Sie sich hierzu auch an dieser Stelle informieren.

Wie kann Deutschland für Au-Pairs aus Europa attraktiver werden?

Frankfurt ist eben nicht Paris, Hamburg nicht London und München kann mit Rom ebenso wenig auf der Beliebtheitsskala mithalten. Deutsch bleibt auch eine Sprache, die einerseits relativ schwierig zu erlernen ist und die andererseits auch nicht so sehr verbreitet ist, wie Englisch, Spanisch oder auch Französisch. Daran können wir ebenso wenig etwas ändern, wie wir auch das Wetter nicht wirklich attraktiver gestalten können. Ändern könnte man allerdings etwas an der Ausgestaltung des Au-Pair-Programms in Deutschland. Wussten Sie eigentlich, dass das Taschengeld, welches ein Au-Pair in Deutschland erhält, weitaus niedriger ist, als das, welches in anderen Ländern gezahlt wird? In Frankreich, England oder Italien liegt das Minimum bei € 320,00, in der Türkei erhalten Au-Pairs i.d.R. € 400,00 im Monat. Au-Pairs, die wir in die USA vermitteln, bekommen dort nicht nur ein Taschengeld von knapp unter $ 800 im Monat, sie erhalten außerdem ein Studiengeld ($ 500) und die Kosten für An- und Abreise werden ebenfalls von den Gastfamilien übernommen. Wussten Sie, dass das Taschengeld für Au-Pairs, welches seit 2006 bei € 260 im Monat liegt, seinerzeit zum ersten Mal seit 35 (in Worten: fünfunddreißig) Jahren angehoben wurde? Bis dahin betrug es nämlich seit 1969 € 205/Monat. Damit kann man ein Au-Pair aus den USA kaum beeindrucken! Der Deutsche Bundesverband der Au-Pair-Vermittler setzt sich seit Jahren u.a. für eine Steigerung der Attraktivität des Au-Pair-Programms hierzulande ein – leider ein eher zähes Unterfangen. Derzeit sind in Deutschland drei Ministerien involviert, wünschenswert wäre es, wenn dieses Kulturaustauschprogramm endlich einen separaten Status als solches hätte und nur in den Zuständigkeitsbereich einer Stelle fiele. Weiterhin erforderlich wäre es, wenn eine Betreuungspflicht für alle Au-Pairs, die aus dem Ausland hierher kommen, bestünde und die Teilnahme an einem Sprachkurs verpflichtend und von den Gastfamilien generell zu fördern wäre. Schon diese Regelungen würden sicherlich dazu führen, dass wir eine größere Anzahl an Interessentinnen und Interessenten (auch aus Europa, oder gar den USA oder Australien) dafür gewinnen könnten.

Ein Au-Pair

Keine Angst vor Kulturaustausch!

Selbstverständlich gibt es Alternativen – sehr viele junge Menschen unterschiedlichster Nationalitäten kommen nach wie vor sehr gerne als Au-Pair nach Deutschland. Oftmals erzählen mir Gastfamilien, sie hätten Bedenken beispielsweise ein Au-Pair aus der Mongolei, Kenia, Peru... oder... oder... oder... einzuladen, weil sie zu große kulturelle Unterschiede befürchten. Ja – es gibt sie, diese Unterschiede, deswegen ist es ja ein Kulturaustauschprogramm. Tatsächlich ist es aber gerade heute so, dass junge Menschen, die beispielsweise, keine Mikrowelle, Waschmaschine, Staubsauger, oder was auch immer, kennen, auch keine Chance auf eine Vermittlung als Au-Pair nach Deutschland haben. Die Bewerber/innen kommen fast ausschließlich aus Großstädten (selbst wenn sie evtl. noch Verwandte haben, die auf dem Land in einer Jurte leben), denn nur dort haben sie Zugang zu Sprachkursen, Internet, Vorbereitungskursen und Vermittlungsagenturen – alles Voraussetzungen für eine solche Vermittlung. Kein Au-Pair kann heute mehr ein Visum für Deutschland beantragen, ohne einen qualifizierten Schulabschluss und mindestens ein A1-Zertifikat des örtlichen Goethe-Instituts vorweisen zu können. Sie können davon ausgehen, dass alle diese jungen Menschen sich mindestens ein halbes Jahr (eher länger) auf einen Au-Pair-Aufenthalt vorbereiten. Sehr viele dieser Bewerber/innen sprechen, außer ihrer Muttersprache noch eine weitere Sprache wirklich gut. Englisch ist in einigen Ländern, wie Kenia oder Indonesien, Schulsprache, es gibt unter den zukünftigen Au-Pairs auch etliche, die Fremdsprachen studiert haben. Selbst wenn der Lebensstandard in den meisten dieser Länder ein anderer ist, als der unsere, so kennen sie doch die meisten unserer „Errungenschaften" zumindest aus dem Fernsehen und aus dem Internet.

In den nächsten Monaten werde ich an dieser Stelle immer wieder Beiträge über die Herkunftsländer der Au-Pairs veröffentlichen, um Ihnen einen Eindruck davon zu vermitteln, wie man dort lebt und wie sich die jungen Menschen auf ihr „Abenteuer Deutschland" vorbereiten.

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