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Au-Pairs aus dem Ausland und die deutsche Esskultur

Wo sind die Unterschiede und woran müssen sich Au-Pairs zunächst gewöhnen, wenn sie nach Deutschland kommen?

Unsere regelmäßigen Au-Pair-Treffen und Veranstaltungen bieten ja für die Au-Pairs aus dem Ausland auch immer die Möglichkeit, sich über ihre Erfahrungen und Erwartungen auszutauschen. Das Thema „Essen“ kommt immer wieder vor – gemeint sind damit oft nicht unbedingt die einzelnen Gerichte, sondern die Kultur, die damit einher geht.

Dazu muss man wissen, dass es in vielen Ländern nach wie vor üblich ist, zwei Mal täglich eine deftige, warme Mahlzeit zu sich zu nehmen. Bei uns ist die Einhaltung der drei Hauptmahlzeiten hingegen nicht mehr unbedingt die Norm und oft hat nur das Abendessen noch einen fest einkalkulierten Platz im Familienalltag.

Ein klassisches, deutsches Frühstück besteht aus Brot bzw. Brötchen mit süßem oder deftigem Aufstrich oder Frühstücksflocken, wobei Brot und Brötchen mit an erster Stelle stehen. Der Zeitpunkt des Frühstücks hängt natürlich von der Tagesplanung und dem Arbeits- oder Schulbeginn ab.

Das Mittagessen findet häufig außer Haus statt - berufstätige Eltern essen in der Kantine zu Mittag, die Kinder im Kindergarten, oder der Schule. In diesem Falle besteht dann das Abendessen u.U. lediglich aus einer Brotzeit, d.h. Brot mit verschiedenen Aufstrichen, Wurst und Käse.

Au-Pairs müssen sich in solchen Fällen dann mittags selbst versorgen, werden aber sicherlich oft eher nicht dazu tendieren, für sich alleine mittags eine warme Mahlzeit zuzubereiten. Besser getroffen in diesem Punkt haben es Au-Pairs, in deren Gastfamilien sich die klassische warme Mahlzeit auf das Abendessen verschiebt.

Ein weiterer Unterschied ist, dass es in Deutschland durchaus auch mal etwas „Süßes“ als warme Mahlzeit gereicht wird, wie z.B. Reibekuchen mit Apfelmus, Kaiserschmarren oder Dampfnudeln – gerade Kinder mögen das gerne. Im Ausland hingegen gilt das aber bestenfalls als Nachtisch. Ohnehin gibt es hierzulande sehr viele Süßigkeiten und „Snacks für Zwischendurch“ – auch etwas, das den meisten Au-pairs so nicht bekannt ist.

So erzählte uns Tatiana aus Kolumbien, dass ihr vorher gar nicht bekannt war, dass man Schokolade und Brot so toll kombinieren könne (gemeint sind hier die Eszet-Täfelchen!). Dies sei für sie eine echte Offenbarung gewesen und seither versuche sie, Eszet so ziemlich auf alles Essbare zu legen!

Tugsuu aus der Mongolei findet es gut, dass sich hier im Prinzip jede/r so ernähren kann, wie er/sie möchte. In ihrer Heimat gibt es (noch) nicht sehr viele Vegetarier und Veganer, auch seien sie dort nicht so gut angesehen. Sie selbst würde allerdings zu Hause deutlich mehr Fleisch essen, als das bei ihrer Gastfamilie in Deutschland der Fall ist. Allerdings habe sie hier das ganze Jahr über eine sehr viel größere Auswahl an Gemüse.

Vicky kommt aus England und erzählte, dass ihr das erste deutsche Frühstück (an einem Wochenende!) wie ein „kunstvolles Festmahl“ vorkam. Jeder Zentimeter des Tisches sei von einer riesigen Auswahl an Marmeladen, Käse, Wurst, Honig und anderen Aufstrichen bzw. Zutaten bedeckt gewesen.

Kommen wir noch zum Brot: wir haben hier in Deutschland über 300 Brotsorten und mehr als 1.200 verschiedene Arten von Kleingebäck. Die Mehrzahl der Menschen in Deutschland bevorzugt dunkles Brot – etwas das die Au-Pairs aus dem Ausland so ganz bestimmt nicht kennen. Ebenso wie Sie und ich im Ausland zuweilen unser deutsches Bot vermissen, vermissen sie dann zuweilen das weiße Brot, mit dem sie aufgewachsen sind.

Essen ist eine Sache, die alle Menschen miteinander verbindet – egal woher sie kommen! Deswegen mein Tipp: beziehen Sie Ihr Au-Pair aktiv in Ihre Essensplanung mit ein, lernen Sie Speisen aus der Heimat Ihres Au-Pairs kennen und lehren Sie Ihr Au-Pair Ihre eigenen Favoriten zu kochen. Auch das ist Kulturaustausch!

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