/ Kommentare 0

Au-Pair in Australien – ein Erfahrungsbericht von Anika

Anika ist seit November als Au-Pair in Canberra, Australien – eigentlich wollte sie nur sechs Monate bleiben, wird ihren Aufenthalt aber jetzt verlängern!

---

Mutter von 3 Kindern, mit gerade mal 18, in einem fremden Land. Klingt gruselig, ist es auch. Jedes Mal wenn ich mir bewusst mache wie krass viel Verantwortung mir in die Hand gedrückt wurde wird mir schlecht. Ein großes Auto, eine Kreditkarte und eigentlich auch ein ganzes Haus, welches unter Umständen vielleicht nicht mehr steht wenn ich vom Spielplatz zurückkomme. Das ist definitiv nicht für jeden was. Und trotzdem wusste ich schon mit 15: ich will Au Pair sein. Die Vorstellung sich den ganzen Tag um Kinder zu kümmern und eine feste Bindung zu ihnen aufzubauen und endlich kleine Geschwister zu haben hat in mir quietschen und Luftsprünge ausgelöst. Dabei war mir durchaus bewusst dass ich nie meine Ruhe haben werde (und ich das absolut nicht gewohnt bin), dass es etwas komplett anderes als 8 Stunden Schule am Tag ist, dass es stressig werden kann und dass es wie oben erwähnt, eine Menge Verantwortung mit sich zieht (die man aber zum Glück am Ende des Tages wieder abgeben kann). Und trotzdem war es mein größter Wunsch. Und dieser Traum ist wahr geworden.

Im Großen und Ganzen steht und fällt alles mit der richtigen Gastfamilie. Wenn man die Wahl hat sollte man definitiv überlegen was man will, denn jede Familie ist anders. Prinzipiell kann man das Ganze in zwei Kategorien teilen. Kleine Kinder sind meist einfacher, man kann selbst entscheiden was man machen will und sie (einfach) mitnehmen. So kann man auch schnell was einkaufen gehen oder sich mit auf ein Playdate im Park treffen und die Kinder rennen rum und sind eigentlich relativ leicht beschäftigt (Luftballons, Bälle und Seifenblasen sind dein bester Freund). Auch wenn die ersten Tage schwer sein können gewöhnen sie sich schnell an einen. Bis 3 Jahre machen sie ungefähr noch Mittagsschlaf und man hat 2 Stunden „frei“ (Geschirrspüler, Wäsche, aufräumen, staubsaugen, es gibt immer was zu tun). Zumindest in Australien gehen fast alle Kinder ab 5 Jahre in den Kindergarten oder die Schule (ist verwirrend aber Kindergarten in Australien ist die Vorschule in Deutschland). In diesem Fall ist man früh dafür zuständig die Kinder für die Schule fertig zu machen und holt sie nach der Schule ab bis die Eltern wieder nach Hause kommen. Dann hat man also etwa von 9 bis 3 Zeit um den Haushalt zu machen oder je nachdem wie viel Arbeit das ist sich sogar noch einen zweiten Job zu suchen. Klingt erstmal besser, hat aber am Ende alles seine Vor- und Nachteile.

Anika mit den Gastkinder in Australien unterwegs

Ich persönlich finde man sollte nicht zu viel überlegen und einfach machen. Ich habe die „erstbeste“ Familie genommen, damit ich aus Deutschland wegkomme. Nach 10 Minuten Skype-Gespräch hat meine zukünftige Hostmom gefragt „Okay wann kannst du kommen?“ Und ich so: „Ich brauch noch mein Visum, dann kann ich in den Flieger steigen.“ Und eine Woche später saß ich im Flugzeug. Gut, muss ja jetzt nicht jeder so krass drauf sein, aber meine Gastfamilie hat halt schnellstmöglich ein neues Au Pair gebraucht und ich habe nur darauf gewartet und somit hatte ich keine Zeit über irgendwas nachzudenken oder an meiner Entscheidung zu zweifeln.

Hier sitze ich also in Australien (ich wollte wo hin wo es warm ist) und bin ziemlich glücklich und zufrieden und hab sogar beschlossen meine Zeit hier zu verlängern. Hätte mir das jemand in den ersten 3 Wochen gesagt wäre ich wahrscheinlich vor Erleichterung in Tränen ausgebrochen. Ich hatte kein Heimweh, nie so richtig schlimm dass ich gesagt hätte „ich breche ab und fliege nach Hause“  aber die ersten Wochen waren hart. Sehr hart. Denn Kinder im Alter von Eineinhalb und zweieinhalb sind leider ziemlich erbarmungslos. Nach 4 Monaten habe ich endlich gelernt alles mit der nötigen Entspanntheit zu sehen und fühle mich dazu in der Lage (fast) jede Situation zu meistern. Nichtsdestotrotz gibt es hin und wieder Tage an denen ich die Minuten zähle bis meine Hostmom nach Hause kommt und ich endlich „erlöst“ bin. Leider weiß ich das allerdings nie so genau und an manchen Tagen bin ich um 4 fertig und an manchen Tagen erst um 6. Was besonders an oben genannten Tagen sehr anstrengend sein kann. Allerdings habe ich mich dahingehend noch nie getraut etwas zu sagen, aus mehreren Gründen. Erstens bewundere ich meine Hostmom sehr und wertschätze was sie tut, daher verstehe ich gut dass sie sich nach ihrem 8 Stunden Arbeitstag noch eine kleine Auszeit nimmt bevor sie nach Hause kommt und mich ablöst. Außerdem werde ich dafür bezahlt, zwar nicht für die Überstunden, aber die zählt ehrlich gesagt keiner so richtig wenn man Au Pair ist. Ich bin flexibel, so wie meine Gastfamilie flexibel ist wenn ich nach etwas frage. Das sehen womöglich nicht alle Gasteltern so, aber ich habe das Gefühl dass das in meinem Fall ziemlich gut funktioniert, wenn man aufeinander zugeht. Ich, zum Beispiel war in den ersten Monaten der Überzeugung ich bekomme zu wenig Geld, bin jetzt aber im Nachhinein sehr froh dass ich es nicht angesprochen habe, da ich jetzt festgestellt habe dass es doch nicht so wenig ist. In solchen Fällen sollte man immer mit möglichst vielen anderen Au Pairs reden (denn Ausnahmen, die besonders gut verdienen, obwohl sie nicht viel arbeiten gibt es immer), genau rechnen und abwägen ob der Stress es wert ist die Beziehung zu den Gasteltern aufs Spiel zu setzen. Als Au Pair befindet man sich in einer ziemlich doofen Situation, keine Frage. Mit Fremden über Geld zu reden ist immer unangenehm. Wenn man diesen Menschen aber dann noch im Schlafanzug begegnet, sie unter Umständen beäugen was und wie viel man aus dem Kühlschrank nimmt und man mitbekommt über was sie sich unterhalten obwohl man weiß dass es einen nichts angeht, aber man nun mal im selben Haus lebt, wird es nicht unbedingt besser. Noch dazu will man es sich ungern mit jemandem verscherzen bei dem man im Haus lebt und auf dessen Geld und (nicht in jedem Fall) Auto man angewiesen ist. Deswegen muss man sich als Au Pair aber auch nicht ausnutzen lassen. Immerhin kümmern wir uns um die Kinder und die sind das Wichtigste der Familie. Wir sind weder Putzfrau/-mann, noch sind wir her gekommen um Vollzeiteltern zu sein. Ein gesundes Mittelmaß ist wichtig und auch trotz Verständigungsproblemen ist Kommunikation der Schlüssel. Allerdings sollte man sich gerade in der Rolle als Au Pair genauestens überlegen was man denn kritisieren will und was denn angemessen ist.  Das alles klingt jetzt sehr negativ, ist aber wahr. Tatsächlich waren mir all diese Fakten im Vornherein bewusst und trotzdem habe ich es gemacht und bin sehr glücklich, daher hoffe ich dass es nicht allzu viele abschreckt. Nur auf Probleme vorbereitet, die kommen können. Generell habe ich aber versucht mir abzugewöhnen den Kopf darüber zu zerbrechen was andere von mir denken und mein Ding zu machen (ich glaube das ist mittlerweile die Australierin in mir J). Die Gastfamilie hat sich für ein Au Pair entschieden und war sich den Konsequenzen (hoffentlich) bewusst. Das Au Pair versucht im Rahmen des Realistischen seine Aufgaben bestmöglich zu erfüllen. Und beide Seiten haben einen Mund um über Probleme oder Missverständnisse zu reden. Es gibt gute und schlechte Phasen, aber am Ende wird es funktionieren, wenn es sein soll oder Du kannst es trotz allem als eine wertvolle Erfahrung sehen und die Gastfamilie wechseln.

---

Vielen Dank für Ihren Beitrag, Anika! Wir finden, Sie haben einige sehr wichtige Punkte genannt, über die man sich ruhig schon vor Antritt eines Aufenthaltes als Au-Pair in Australien Gedanken machen sollte. Wir wünschen Ihnen jedenfalls noch eine tolle Zeit „down under“!

Zurück

Hinterlasse eine Nachricht

IAPA - International Au Pair Association
aupairsociety - Trusted Member
Au Pair des Jahres 2013
Au Pair des Jahres 2014
WYSE Travel Confederation